Sospel liegt 20 Kilometer von Menton entfernt im Département Alpes-Maritimes der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Das auf 350 Metern Höhe gelegene Bergdorf befindet sich zwischen dem Gebirgspass Col de Turini und Menton an der französischen Riviera (Côte d'Azur). Von dort aus führt die Route des Grandes Alpes zum Col de Castillon. Sospel liegt am Rande des Nationalparks Parc national du Mercantour im Département Alpes-Maritimes.
Eine Sehenswürdigkeit und das Wahrzeichen der Stadt ist die alte Brücke Pont Vieux, die den Fluss Bévéra überspannt. Auf der im Jahr 1217 erbauten, befestigten Brücke Pont Vieux à Péage musste früher Maut bezahlt werden. Der Turm in der Mitte der Brücke diente als Mautstelle der berühmten Route Royale du Sel zwischen Nizza und Turin.
Häuserzeile am Fluss Bévéra Pont Vieux
Die Stadt ersetzte die Pont Vieux im Jahr 1522 durch eine Steinbrücke, die aus zwei steinernen Brückenbögen besteht und den funktionellen Mautturm stützt. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Pont Vieux 1953 mit Originalmaterialien restauriert. Sie ist eine der letzten Mautbrücken Europas.
Ein weiteres Relikt aus früherer Zeit ist die Burgruine Château de Sospel. Von der im 13. Jahrhundert erbauten Burg ist nur der mit Schießscharten versehene, fünfeckige Bergfried (Donjon) erhalten geblieben.
Burgruine Château de Sospel Tor der Stadtmauer
Nachweislich war die Stadt Sospel im Jahr 1383 und 1556 von einer Stadtmauer mit fünf Toren umgeben.
Von dieser Befestigungsanlage sind das südliche Tor und ein Teil der Stadtmauer erhalten geblieben.
Die Häuser am linken Ufer der Bévéra stehen in einer Reihe entlang des Flusses. Einige ihrer Fassaden besitzen Trompe-l’œil-Dekor oder reiche Verzierungen mit Skulpturen. Diese ligurischen oder piemontesischen Malereien bestehen aus Friesendekorationen, Rankenornamenten und Arabesken, die mit floralen oder tierischen Motiven vermischt sind.
Auf dem Place Garibaldi befindet sich ein öffentlicher Waschplatz, umgeben von Wänden mit bunten Fresken. In der Nähe des Place Saint-François entdecken wir einen der drei wichtigsten Brunnen aus dem 18. Jahrhundert. Dieser runde Brunnen diente früher dem Vieh und den Lasttieren als Tränke.
Fassaden mit Trompe-l’œil Dekor der runde Brunnen
In der Rue de la République befindet sich ein Gebäude mit einem gotischen Türsturz aus dem 15. Jahrhundert. Auf derselben Straße beeindruckt das Haus Maison Gallis mit einer Säule aus dem 18. Jahrhundert. Diese Säule hat ein Kapitell, das mit einem Hund verziert ist. Der runde Brunnen "Fontaine circulaire" auf der Rue de la République stammt ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert.
Platz Saint-Nicolas - Kathedrale Saint-Michel - Pénitents Kapellen
Unter den mittelalterlichen Rundbogenarkaden des Place Saint-Nicolas befindet sich der alte Palast der Gemeinde (Palais communal), in dem früher Versammlungen abgehalten wurden. An der Fassade des ehemaligen Gemeindepalasts symbolisiert ein Osterlamm den göttlichen Schutz.
Unter der Arkade des Gemeindepalastes wurde im 16. Jahrhundert für die Bevölkerung des linken Ufers der Brunnen "Fontaine Sout'a Loggia" errichtet. Das Gebäude dient heute als Rathaus. Den Place Saint-Nicolas ziert ein Brunnen aus dem 15. Jahrhundert. Über mit groben Steinen gepflasterte Gassen (Rues en Calades) gelangt man zu den geschmackvoll renovierten Häusern.
Palast der Gemeinde Gasse in Sospel
Palast du Viguier
Unter den Arkaden sind die hölzernen Dielen zu sehen, auf denen die ersten Geschosse ruhen.
Die Fassaden der Arkadenhäuser wurden aufwendig restauriert und mit frischen Farben versehen. unter den Arkaden
Der Palast du Viguier, auch Palais de la Gabelle genannt, war der Sitz der Viguerie in der Rue Saint-Pierre. Das Gebäude der Viguerie hat im letzten Stockwerk ein gotisches Zwillingsfenster aus dem 14. Jahrhundert. Es wird von gebogenen Pilastern und mit Akanthusblättern verzierten Kapitellen eingerahmt
Der Place Saint-Michel zählt aufgrund der Häuser aus dem 13., 15. und 17. Jahrhundert zu den schönsten architektonischen Ensembles der Provence. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Platz mit weißen und grauen Kieselsteinen kaladiert, die in der Mitte eine Rosette bilden. Auf dem Platz steht das romanische Arkadenhaus Palais Ricci des Ferres, das im 12. und 13. Jahrhundert erbaut wurde.
Sehenswert ist die von 1641 bis 1762 erbaute barocke Konkathedrale Cathédrale Saint-Michel, die die größte Kathedrale des Départements Alpes-Maritimes ist. Von der früheren Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist nur der romanisch-lombardische Kirchturm erhalten, der von einem pyramidenförmigen Turm überragt wird.
Kathedrale Saint-Michel Chor der Kathedrale
Während der untere Teil des Kirchturms aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen könnte, soll der obere Teil mit Glockenturm und Pyramide Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden sein. Im heutigen Glockenturm hängen fünf Glocken. Die älteste davon, die den Namen des Heiligen Michael trägt, stammt aus dem Jahr 1823.
Die beeindruckende vorbarocke Fassade der Kathedrale „Cathédrale Saint-Michel” wurde 1641 erbaut. Sie wird durch einen Dachstuhl getrennt und von einem dreieckigen Giebel gekrönt. Die asymmetrisch gewundene Vortreppe der Kathedrale wirkt wie eine Theaterbühne. Das lange Kirchenschiff besitzt den Grundriss einer Basilika. An der Kreuzung des Querschiffs befindet sich eine Kuppel.
Das Kirchenschiff wird von zwei Seitenschiffen flankiert und endet in einem Querschiff. Im linken Seitenschiff befindet sich ein beeindruckendes Triptychon der Pietà aus dem 16. Jahrhundert. Es stammt aus der Kapelle der weißen Büßer, den Pénitents blancs.
Kirchenschiff Kanzel und Seitenschiff
Der Altaraufsatz "Retable de l’Immaculée Conception" aus dem Jahr 1520 wird dem Maler François Bréa zugeschrieben. In der Südkapelle befindet sich der Altaraufsatz Retable du Rosaire, der von 14 kleinen Bildern der glorreichen Mysterien umgeben ist. In der nördlichen Kapelle befindet sich der Altaraufsatz "Retable de la Notre-Dame-des-Mont-Carmel".
Von der im Jahr 1753 gebauten Orgel existiert noch der Barockkasten, der im Jahr 1843 umgebaut wurde. Der monumentale Prospekt verbindet Elemente aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Der Bau der Kathedrale sowie die Stuckdekorationen und die Malereien im Trompe-l’œil-Stil wurden von Handwerkern aus dem Piemont oder Ligurien ausgeführt.
Chapelle de l'Immaculée-Conception des Pénitents gris Chapelle Sainte-Croix des Pénitents blancs
Auf dem Place Saint-Michel befinden sich zwei Kapellen der Bußbruderschaften: die 1678 erbaute Chapelle des Pénitents rouges und die im 16. und 18. Jahrhundert erbaute Chapelle de l'Immaculée-Conception des Pénitents gris. Die Chapelle des Pénitents rouges wird für Veranstaltungen genutzt.
Die Kapelle Chapelle Sainte-Croix des Pénitents blancs wurde im 17. Jahrhundert anstelle einer romanischen Kirche im Barockstil wieder aufgebaut. Die Apsis aus dem 11. Jahrhundert ist erhalten geblieben. Die Fassade der Kapelle Saint-Croix ist in den kräftigen Farben Blau und Gelb gestrichen. Außergewöhnlich ist der dreieckige Glockenturm, der mit bunten Dachziegeln bedeckt ist.
Place de la Cabraïa Blick auf Sospel
Der Place de Cabraïa wird von dem Brunnen Fontaine de Cabraïa geschmückt. Auf dem Platz wurden im 16. Jahrhundert Ziegenherden versammelt, bevor sie auf die Weide gebracht wurden. Der untere Teil des Brunnens diente als Tränke für das Vieh, der obere Teil für den Haushalt.
Sospel war eine der am stärksten befestigten Stätten der Maginot-Linie in Frankreich. Im Museum Musée des Fortifications alpines Fort Saint-Roch wird eine der modernsten Befestigungen erklärt.
provenzalischer Markt (Marché provençal) - Festival Les BaroQuiales
Jeden Donnerstag von 8 Uhr bis 13 Uhr findet auf dem Place des Platanes in Sospel ein kleiner provenzalischer Markt (Marché provençal) statt. Etwa zehn Händler bieten dort Obst und Gemüse, Brot, Fleisch und Wurstwaren an.
Jeden Sonntag von 8 bis 13 Uhr findet ebenfalls auf dem Place du Marché ein Markt der lokalen Erzeuger statt. Markttage der Provence
Das Festival Les BaroQuiales findet Ende Juli/ Anfang August in Sospel statt. Es ist eine kulturelle Veranstaltung, die sich ganz dem Barock verschrieben hat.
In barocken Gebäuden wie der Konkathedrale Saint-Michel, den Kapellen der Pénitents sowie auf den Plätzen Saint-Michel und Sainte-Croix finden Konzerte und Theateraufführungen statt.