Bretagne + Provence

Morlaix - Finistère - Bretagne


Morlaix liegt im nördlichen Département Finistère der Bretagne am Zusammenfluss zweier Flüsse, die den Fluss Dossen (oder Fluss von Morlaix) bilden. Die Ria-Mündung des Flusses ist ein von den Gezeiten beeinflusster Aber, der die historischen Länder Pays de Léon und Trégor trennt. Der 15 Kilometer lange Dossen fließt bei Carantec in die Bucht Baie de Morlaix.

Die Silhouette von Morlaix wird vom 58 Meter hohen und 292 Meter langen Viadukt geprägt. Der 1861 erbaute Viadukt mit 9 kleinen und 14 großen Bögen diente der Eisenbahnverbindung von Paris nach Brest.

Viadukt, Kirche Saint-Mélaine, alter Kiosk Morlaix

Die obere Ebene des Viadukts diente dem Zugverkehr
der Bahn. Die untere Ebene kann kostenlos zu Fuß
überquert werden werden. Sie ist über eine Treppe
erreichbar.

Vom Viadukt hat man einen schönen Blick auf die Stadt.
untere Ebene des Viadukts Morlaix

Gesäumt von Bäumen und hohen Steinhäusern verläuft der Yachthafen entlang der prächtigen Gebäude der ehemaligen königlichen Tabakmanufaktur (Manufacture Royale des Tabacs) aus dem Jahr 1740. Der Yachthafen (Port de Plaisance) besitzt 200 Liegeplätze für Boote bis zu 3 Meter Tiefgang.

Zu den Sehenswürdigkeiten von Morlaix zählen insbesondere die mittelalterliche Altstadt (vieille Ville) mit Fachwerk- und Laternenhäusern, das Gebäude der königlichen Tabakmanufaktur, der Hafen, die Kirchen Saint-Melaine und Saint-Mathieu und der Viadukt.

Yachthafen Morlaix
Place des Otages mit Rathaus Morlaix

Das 1838 oder 1843 erbaute Rathaus (Hôtel de Ville) und ein achteckiger Kiosk (Kiosque à Musique) aus dem Jahr 1903 stehen auf dem Platz Place des Otages. Der Kiosk, der aus Guss- und Schmiedeeisen erbaut wurde, dient ausschließlich den städtischen Musik- und Chorvereinen der Stadt.

Jeden Samstag findet von 8 Uhr bis 18 Uhr ein großer Markt (Marché) auf den Plätzen Place des Otages (Kleidung und Kunsthandwerk) und Place Allende (Lebensmittel bis 13 Uhr) statt. Etwa 100 Händler bieten ihre Waren an.

Das Gebäude des Theaters (Théatre) wurde 1888 im italienischen Stil erbaut. Interessantes über die Geschichte und Architektur der Stadt Morlaix erfahren Sie im Museum Musée de Morlaix in der Grand Rue 9.

Altstadt Morlaix
Fachwerkhaus Morlaix

Das ehemalige Jakobinerkloster (Couvent des Jacobins) ist das älteste Gebäude der Stadt. Das Kloster wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Die Fensterrosette des Chorhaupts stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Jakobinerkloster beherbergt das Museum Musée des Beaux-Arts de Morlaix. Das Museum zeigt zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts von Künstlern der Bretagne.

Ein ausgefallenes Fachwerkhaus steht in der Rue Ange de Guernisac. Das Gebäude mit spitzem Giebel hat drei Erkergeschosse. Im Inneren werden die Stockwerke durch eine spiralförmige Holztreppe erschlossen. Die Balustrade der Galerien besteht aus einer Reihe von Paneelen. Der Mittelpfeiler ist ein typisches Beispiel für die Möbelkunst der Renaissance mit Karyatiden und Maskarons.

vorkragend mit Schiefer gedeckte Hausfassade Morlaix
Fachwerkhaus Rue Ange-de-Guernisac Morlaix

Die mittelalterliche Altstadt beeindruckt mit Laternenhäusern, Fachwerkhäusern und mit Schiefer verkleideten Hausfassaden, die den Reichtum der Stadt widerspiegeln. Zahlreiche Häuser wurden mit vorkragenden Erkern gebaut.

Laternenhaus der Herzogin Anne (Maison à Lanterne Duchesse) - Pondalez


Der Baustil eines in der Renaissance erbauten Laternenhauses, Maison à Lanterne auch Maison à Pondalez genannt, der nur in der Altstadt von Morlaix vorkommt, ist eine architektonische Sehenswürdigkeit. Ein Laternenhaus wurde als mehrgeschossiges Fachwerkhaus um einen alle Stockwerke umfassenden beleuchteten Innenhof gebaut.

Der beleuchtete Innenhof wurde irrtümlich als "Lanterne" bezeichnet und war der privilegierte Raum des Hauses. Ein Maison à Lanterne oder à Pondalez besticht durch eine imposante Wendeltreppe, die als "Ponts d'Allée" zur Verbindung der Geschosse dient.

Laternenhaus Maison à Pondalez Morlaix
Gasse der Altstadt Morlaix

Das dreistöckige Laternenhaus der Herzogin Anne der Bretagne (Maison dite de la Duchesse Anne) wurde um 1530 mit einer reich verzierten Fassade erbaut. Das Prachtstück im Laternenhaus der Herzogin Anne ist die im 16 Meter hohen überdachten Innenhof eingebaute Wendeltreppe aus Eichenholz, die drei Stockwerke verbindet.

Die Säule der imposanten Wendeltreppe ist mit kunstvollen Holzskulpturen der Heiligen Rochus, Martin, Christopherus und dem Erzengel Michael verziert. Der zentrale Innenhof besaß einen monumentalen Kamin, der über mehrere Geschosse reichte und als Küche und Empfangsraum diente. Das Laternenhaus der Herzogin Anne in der Rue du Mur sowie ein Maison à Pondalez in der Grand Rue können besichtigt werden.

Kirche Église Saint-Melaine - Saint-Mathieu


Die Kirche Église Saint-Melaine wurde von 1489 bis 1574 im Flamboyantstil errichtet. Die nördliche Seite der Kirche wurde im 2. Weltkrieg stark beschädigt und später instand gesetzt. Das gotische Portal des Haupteingangs aus dem Jahr 1489 besitzt fünf gedrückte Spitzbögen, die mittig von einem Kreuz überragt werden. Rechts neben dem Haupteingangsportal wurde ein schönes Weihwasserbecken eingemauert.

Kirche Saint-Melaine Morlaix
Portal Haupteingang Kirche Saint-Melaine

Am Portal des Nebeneingangs wurde das außergewöhnliche steinerne Weihwasserbecken auf dem Sprossenpfosten, der die beiden Eingangstüren voneinander trennt, angebracht. Die hölzernen Nebeneingangstüren werden von drei gotischen Spitzbögen umschlossen. In den Jahren 1610 und 1611 wurden das getäfelte Gewölbe der Nebeneingangsvorhalle und das innere Tympanon bemalt.

Der 1574 errichtete Kirchturm erhielt zunächst eine Renaissancekuppel, die im Jahr 1879 durch eine hölzerne, mit Zink verkleidete Turmspitze ersetzt wurde. Der mit Strebepfeilern befestigte Kirchturm wird von einem runden Treppenturm flankiert.

Südportal Nebeneingang Kirche Saint-Melaine
Kirchturm Saint-Melaine

Das siebenjochige Kirchenschiff ist von den beiden Seitenschiffen durch runde Arkaden tragende Säulen getrennt. Die Seitenschiffe beinhalten fünf Kapellen auf der Nordseite und drei auf der Südseite. Das Kirchenschiff wird von einem hölzernen tonnenförmigen Gewölbe mit verzierten Traufen und Streben überdacht. Die Traufen wurden mit monströsen Mündern verziert.

Der Hochaltar (Maître-Autel) wird mit Statuen der Heiligen Sainte Melaine und des Heiligen Petrus (Saint Pierre) geschmückt. In einer großen Nische hinter dem Hochaltar beeindruckt ein Ölgemälde der Kreuzabnahme (Descente de Croix, 16. Jahrhundert), das von zwei Engeln flankiert wird.

Kirchenschiff Saint-Melaine
Kreuzabnahme und Engel Kirche Saint-Melaine

Im rechten Seitenschiff befinden sich die drei Kapellen Chapelle des Trépassés, Chapelle de l'Enfant Jésus und Chapelle Notre-Dame des Neiges. Der Altaraufsatz (Retable) der Kapelle Chapelle des Trépassés beeindruckt durch ein Gemälde des Fegefeuers (Purgatoire) aus dem Jahr 1780, das von den Statuen des Heiligen Saint Yves und der Jungfrau Maria beschützt wird.

Chapelle des Trépassés Kirche Saint-Melaine

Die Kapelle l'Enfant Jésus enthält einen mit Giebel
geschmückten Altaraufsatz aus dem 18. Jahrhundert.
Der Altaraufsatz beinhaltet ein Gemälde des Jesuskinds,
das auf dem Globus der Welt steht und die Anbetung
der Hirten empfängt. Im Giebel steht eine Statue von
Saint Joseph.
Chapelle de l'Enfant Jésus Kirche Saint-Melaine

In der Kapelle Chapelle Notre-Dame des Neiges aus dem 17. Jahrhundert steht die gleichnamige Statue in einem Altaraufsatz (Retable) aus Marmor. Der Altaraufsatz Notre-Dame des Neiges ist mit liturgischen Trophäen, feinen Blättergirlanden und Putten in Gold geschmückt.

Die in die Maßwerke eingebauten Glasfenster stammen aus den Jahren 1956 bis 1995. Zahlreiche bunte Statuen und Gemälde des 15. bis 19. Jahrhunderts schmücken die Kirche Saint-Melaine. In den mit Kielbögen verzierten Nischen des Kirchenschiffs befinden sich eine Pietà (Notre-Dame de Pitié) aus dem 17. Jahrhundert und Jesus Christus am Kreuz.

Pietà Kirche Saint-Melaine
Jesus Christus am Kreuz Kirche Saint-Melaine

Bemerkenswert ist die 1682 erbaute Orgel deren Holzvertäfelung noch erhalten ist. Die Balustrade der Orgelempore besteht aus Eichenholz und ist mit 30 flamboyanten Paneelen verziert. Das schöne Taufbecken wird von einem sechseckigen hölzernen Baldachin aus dem Jahr 1660 überragt. Die Kuppel des Baldachins ist mit Statuetten verziert.

Orgel Kirche Saint-Melaine
Taufbecken Kirche Saint-Melaine

Der 1593 fertiggestellte quadratische Kirchturm der

Kirche Église Saint-Mathieu

ist eines der ersten Renaissancegebäude in der Region. Die Kuppel des Kirchturms wurde 1779 durch eine Zinkkappe ersetzt.

Kirche Èglise Saint-Mathieu
Das neben dem Glockenturm erbaute Kirchenschiff wurde mit zwei Seitenschiffen bis 1827 erbaut. Das Kirchenschiff beinhaltet auf jeder Seite sechs Seitenkapellen mit schönen Glasfenstern.

Eine Sehenswürdigkeit ist die aus dem Jahr 1390 stammende vergoldete Holzstatue Notre Dame du Mur, eine einfache Jungfrau mit Kind. Öffnet man die Statue Notre Dame de Mur, sieht man eine geschnitzte Dreifaltigkeit und gemalte Szenen aus dem Neuen Testament.

Beachtenswert sind links neben dem Chor zwei polychrome Holzreliefs mit dem Abendmahl (Cène) und das Waschen der Füße (Lavement des Pieds).

Rechts neben dem Chor erhebt sich ein Hochrelief der Kreuzigung (Cruzification). Das Herzstück unter den Statuen ist eine Gruppe der Kreuzigung.

Weitere Statuen stammen aus der alten Kirche Saint-Mathieu oder aus der Basilika der Stiftskirche Collégiale de Notre-Dame du Mur, die während der Revolution zerstört wurden.

Die bunten Kirchenglasfenster erinnern an das Leben des heiligen Matthäus (Saint-Mathieu). Unter einem Buntglasfenster befindet sich ein vergoldeter hölzerner Tabernakel aus dem 17. Jahrhundert. Die schöne Orgel stammt aus dem Jahr 1667.

In der Bucht Baie de Morlaix befinden sich das sehenswerte Schloss Château du Taureau und die Insel Île Louët. Einen schönen Blick auf diese Sehenswürdigkeiten hat man von der Pointe de Penn al Lann in Carantec.

Quellen:

www.infobretagne.com/morlaix-paroisse-saintmathieu.htm
www.infobretagne.com/morlaix-eglise-melaine.htm
www.pop.culture.gouv.fr/notice/merimee//PA00090131