Schlendern Sie durch die engen Gassen der Altstadt von Tréguier mit ihren 57 historischen Fachwerkhäusern. Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten gehören der Bischofspalast, die Kathedrale Saint-Tugdual, der Kreuzgang und die zahlreichen Fachwerkhäuser.
Tréguier ist die historische Hauptstadt des Bistums Trégor im Département Côtes-d’Armor in der Bretagne. Geologisch gehört Tréguier, ebenso wie die Halbinsel Site du Gouffre, zur Ginsterküste (Côte d'Ajoncs). Die Hafenstadt liegt am Zusammenfluss der Flüsse Jaudy und Guindy. Die Mündung des Jaudy wird von den Gezeiten beeinflusst.
Tréguier trägt die Auszeichnung "Petite Cité de Caractère". Diese Auszeichnung wird an Städte mit einer besonderen kulturellen und historischen Bedeutung vergeben.
Den Zugang zur Altstadt und zum Hafen überwachten zwei Häuser mit hohen Ecktürmen, die sogenannten "Portes de la Ville". Die Gebäude dienten auch als Getreidespeicher. Das Fachwerk des linken historischen Hauses stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der angebaute quadratische Turm wurde im 17. Jahrhundert umgebaut.
Tréguier - Portes de la Ville Fachwerkhaus Rue Ernest Renan Nr. 31
Die meisten Fachwerkhäuser der Altstadt stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Schöne mittelalterliche Gebäude stehen in der Rue de Chalotais, Rue Colvestre, am Place Notre-Dame-de-Coatcolvezou und in der Rue Ernest Renan.
Das Fachwerkhaus Nr. 31 in der Rue Ernest Renan stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es besteht aus einem aus Granit gemauerten Erdgeschoss und einem vorkragenden, türkis gestrichenen Fachwerk im ersten Stock. Das Dach und zwei Dachgauben sind mit Schieferschindeln gedeckt.
Museum Ernest Renan Maison du Tisserand
Zu den am besten restaurierten Gebäuden der Rue Ernest Renan zählt das Fachwerkhaus Nr. 20, in dem sich das Musée Ernest Renan befindet. Es ist das Geburtshaus des Schriftstellers und Historikers Ernest Renan, der 1823 hier geboren wurde. Das Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert besitzt zwei unterschiedliche Fassaden.
Die zur Straße gewandte Fassade besteht aus einem Fachwerk mit zwei freitragenden Etagen. Die Rückfassade wurde aus Verbundsteinen errichtet und verfügt über eine zusätzliche dritte Etage mit Schieferdach. Hinter dem von April bis September geöffneten Museum Ernest Renan befindet sich ein schöner Garten.
Fachwerkhäuser Rue Ernest Renan Fachwerkhaus mit dem Gemälde
Das restaurierte Fachwerkhaus der Weber (Maison du Tisserand) aus dem 17. Jahrhundert befindet sich in der Rue Renan 22 und besitzt in der ersten Etage einen historischen Kamin mit Gesims.
Die ältesten Fachwerkhäuser von Tréguier befinden sich im Ortszentrum, das sich von der Rue Stanco bis zum Platz der Kathedrale erstreckt. Auf dem Place du Martray befindet sich eine Statue von Ernest Renan. In der Nähe der Sitzstatue des Schriftstellers erinnert eine stehende Skulptur an das berühmte Gebet auf der Akropolis (Prière sur l’Acropole).
bunte Fachwerkhäuser am Place du Martray Statue Ernest Renan und Skulptur des Gebets
In der Rue Colvestre fällt das mittelalterliche Portal des Hôtel de Tournemine aus dem 12. bis 15. Jahrhundert ins Auge. Das Fachwerkhaus Nr. 12 stammt aus dem 15. bis 16. Jahrhundert und wurde stark modernisiert. Besonders sehenswert ist das Haus des Herzogs Jean V. aus dem 14. bis 15. Jahrhundert. Neben einem herrschaftlichen Raum im Erdgeschoss verfügte es über eine private Kapelle.
In der Rue de la Chalotais 14 steht ein restauriertes Laternenhaus (Maison à Lanterne oder à Pondalez) aus dem 15. Jahrhundert. Das Maison Saint Pierre verfügt im Erdgeschoss über einen Geschäftsraum mit Pfeilern, die die Kragsteinböden tragen.
Der zentrale Raum des Laternenhauses besteht aus einem großen Raum, der ursprünglich von einem getäfelten Gewölbe bedeckt war. Eine mit Schnitzereien verzierte Holzwendeltreppe erschließt alle Stockwerke. Laternenhäuser sind sonst nur in Morlaix im Département Finistère in der Bretagne zu sehen.
Portal Hôtel de Tournemine modernisiertes Fachwerkhaus
In der Rue des Perdreries befinden sich das Geburtshaus des Schriftstellers Henri Pollès und das schöne gotische Portal des ehemaligen Bischofspalasts. Dieser wurde im Jahr 1432 erbaut und 1594 zerstört. An seiner Stelle wurde im 17. Jahrhundert das Hôtel Le Borgne de la Tour errichtet.
Das um 1760 erbaute Kloster Couvent des Paulines wurde 1809 den Ursulinen als Couvent des Ursulines überlassen. Es besteht aus einem Hauptgebäude, einem Pförtnerhaus und einer Kapelle. Die im Jahr 1760 im klassischen Stil erbaute Kapelle Chapelle des Paulines wird heute als Kunstmuseum (Musée d'Art) genutzt.
Portal des alten Bischofspalasts Couvent des Paulines
In dem Gebäude der Finanzverwaltung des Domkapitels (Trésorerie du Chapitre) ist das Pfarrhaus (Presbytère) untergebracht. Einige Häuser weiter befindet sich das im Art-déco-Stil erbaute Postgebäude aus dem Jahr 1935, in dem sich sehenswerte Mosaike von Isidore Odorico sowie die originale Inneneinrichtung mit Fahrkartenschalter, Aufzug und Telefonzellen befinden.
Die 1892 erbaute Kapelle Chapelle du petit Séminaire de Tréguier wird heute als Theater (Théatre de l'Arche) genutzt. Besonders beeindruckend ist das Südportal der ehemaligen Kapelle, durch das man das Theater betritt.
Kapelle Chapelle du petit Séminaire Theater (Théatre de l'Arche)
Tréguier verdankt seine Existenz dem walisischen Mönch Tugdual. Der um 542 geweihte Bischof Tugdual zählt zu den sieben Gründungsheiligen der Bretagne..
Die vom 14. bis 15. Jahrhundert erbaute Kathedrale Saint-Tugdual zählt zu den schönsten Kathedralen der Bretagne und war die Kathedrale des ursprünglichen Bistums Tréguier. Sie wurde ab 1339 in Form eines lateinischen Kreuzes mit einem mächtigen Strebewerk erbaut.
Über dem nördlichen Querschiff erhebt sich der romanische Kirchturm Tour de Hastings, der von einer früheren Kathedrale erhalten blieb. Das südliche Querschiff wird vom gotischen Kirchturm aus dem Jahr 1432 überragt, der als Glockenturm (Tour des Cloches) bekannt ist. Die 60 Meter hohe Turmspitze des Glockenturms wurde zwischen 1785 und 1787 wiederaufgebaut.
Kathedrale Saint-Tugdual Im Glockenturm der Kathedrale Saint-Tugdual befinden sich fünf Kirchenglocken aus dem 19. Jahrhundert, die zwischen 640 und 2.100 Kilogramm wiegen.
Über der Vierung des Querschiffs erhebt sich wuchtig der ein Stockwerk hohe Kirchturm "Tour du Sanctus".
Das südliche Hauptportal, das "Portal de la Tour des Cloches", wurde im 15. Jahrhundert hinzugefügt. Das Spitzgewölbe seiner Vorhalle des Portal de la Tour des Cloches besteht aus einem mit Ornamenten verzierten Vierpassbogen, dem ein kleinerer Zweipassbogen folgt. Auf dem Pfeiler, der die beiden historischen Türflügel trennt, steht eine Statue der Jungfrau mit dem Kind, die sogenannte "Notre-Dame de la Clarté".
Bereits im Jahr 1356 wurde rechts vom südlichen Seitenschiff der Kathedrale eine trapezförmige Vorhalle für das Volk erbaut, die als "Porche du Peuple" bekannt ist. Die mit einer schönen Balustrade ausgestattete Vorhalle wird durch ein Maßwerk aus einer kleinen gotischen Säule mit runden Sechspass getrennt. Die dahinter befindliche Doppeltür wird von schönen Spitzbögen umgeben.
Eine monumentale dritte Vorhalle mit Kreuzrippengewölbe schützt den westlichen Eingang vor dem Turm "Tour de Hastings". Die westliche Vorhalle hat zwei Dreipassbögen, die durch eine gotische Säule geteilt sind und von einem Sechspass-Maßwerk überragt werden. Über der westlichen Vorhalle befindet sich ein großer, mehrlappiger Rundbogen.
Portal de la Tour de Cloches Porche du Peuple
Das 18 Meter hohe und 75 Meter lange Kirchenschiff sowie die beiden Seitenschiffe wurden im Jahr 1380 erbaut. Das Kreuzrippengewölbe des Kirchenschiffs zieren exquisite Malereien von Engeln und Spruchbändern. Es umfasst sieben Buchten auf Spitzbögen sowie drei hohe Stockwerke mit großen Bögen, einem Triforium und Kirchenfenstern.
Der Chor und das Querschiff wurden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts fertiggestellt. Der Chor ist von einem Chorumgang mit elf strahlenförmig angeordneten Kapellen umgeben. In einer dieser Kapellen befindet sich eine Pietà (Vierge de Pitié) aus farbigem Holz aus dem 16. Jahrhundert.
Der Hochaltar stammt ebenfalls aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Leider wurden sieben der geschnitzten hölzernen Hochreliefs, die die Passion darstellen, gestohlen. Im Chor befinden sich vier Reihen Chorgestühl aus Eiche aus den Jahren 1509 und 1512, das mit Figuren, Fantasieszenen, Tieren oder Pflanzenformen verziert ist.
Strebewerk der Kathedrale
Herzog Jean V. ließ im Jahr 1420 in der Nähe des Querschiffs, eine gotische Grabkapelle errichten.
Das im 15. Jahrhundert errichtete Grabmal Tombeau de Saint Yves wurde 1794 zerstört. Im nördlichen Kirchenschiff befindet sich das im Jahr 1890 gesegnete neugotische Kenotaph von Saint Yves.
Das fast 40 Meter breite Querschiff hat im Norden zwei Buchten auf beiden Seiten der Vierung, die sich an das Erdgeschoss des romanischen Hastings-Turms anschließen. Im Südarm des Querschiffs befindet sich eine geschnitzte Holzgruppe aus dem 17. Jahrhundert, welche den Heiligen Saint Yves zwischen den Reichen und den Armen darstellt.
Die derzeitige Orgel ist die ursprüngliche Orgel der Abtei Abbaye de Bégard. Sie wurde zwischen 1647 und 1649 erbaut, 1837 repariert und im hinteren Teil des Kirchenschiffs installiert. Nach einer Restaurierung im Jahr 1989 wurde die klassische Orgel des 17. Jahrhunderts teilweise rekonstruiert.
Die Kanzel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Das Taufbecken, das mit zwei Gefäßen ausgestattet ist, wurde hingegen im 14. Jahrhundert hergestellt. Besonders sehenswert sind die bunten Kirchenfenster der Herzogskapelle (Chapelle du Duc). Zahlreiche bunte Statuen, Gemälde und Prozessionsfahnen schmücken die Kathedrale Saint-Tugdual.
Bischof Tugdual machte Tréguier zu einem der Wallfahrtsorte der "Tro Breiz". Die sieben Gründungsheiligen dieser Wallfahrt waren - Saint Tugdual in Tréguier, - Saint Malo in Saint-Malo (Kathedrale Saint-Vincent), - Saint Samson in Dol-de-Bretagne, - Saint Brieuc in Saint-Brieuc, Saint Pol Aurélien in Saint-Pol-de-Léon (Kapelle Notre-Dame du Kreisker), - Saint Corentin in Quimper (Kathedrale Saint Corentin) und - Saint Patern in Vannes.
Die Kathedrale Saint-Tugdual ist jedes Jahr der Ausgangspunkt für die große Vergebungswallfahrt (Grand Pardon), die zum Fest Saint Yves am 19. Mai stattfindet. Im Anschluss an die Messe pilgern die Gläubigen zur Kirche Saint-Yves in Minihy-Tréguier, um des als Heiligen verehrten Erzdiakons der Diözese zu gedenken.
Eine kleine Wallfahrt (Petit Pardon) zu Ehren des Heiligen Yves findet jährlich Ende Oktober statt. Anfang Dezember wird Saint Tugdual im Rahmen einer Wallfahrt geehrt.
Der gotische Kreuzgang (Cloître)
wurde zwischen 1457 und 1468 errichtet. Er besteht aus 48 spitzbogigen Arkaden im Flamboyantstil. Jede dieser Arkaden ist in zwei Dreipassbögen unterteilt, die sich auf Bündelpfeiler stützen. Im oberen Teil des Spitzbogens befindet sich ein Vierpass-Masswerk.
Kreuzgang Portal Place du Martray Kreuzgang und Tour de Hastings
Über der Tür, die unter dem Hastings-Turm zum Kreuzgang führt und als Porte Saint Jean bekannt ist, befindet sich das Wappen von Bischof Christophe du Châtel. Zwei weitere Türen des Kreuzgangs führen auf den Place du Martray bzw. zum Friedhof Cimetière Saint Fiacre. Die vierte Tür, die Porte Saint Jérôme, wurde zugemauert.
Der Kalvarienberg wurde im Jahr 1938 in den Garten des Kreuzgangs gestellt. In den Wandelgängen des Kreuzgangs befinden sich Grabmale mit Liegefiguren aus den Abteien Beaulieu, Saint-Brieuc, Yffiniac und Matignon. Bis zum 19. Jahrhundert wurden diese Grabmale in der Kathedrale Saint-Tugdual aufbewahrt.
Kreuzgang und Kalvarienberg Wandelgang Kreuzgang, Guillaume de Floc'h, an der Wand das Bas Relief de Retable
Das älteste Grabmal ist ein Sarkophag aus dem Hochmittelalter. Die darauf abgebildete Liegefigur stellt Guillaume de Floc'h dar, der von 1406 bis 1426 Abt in Beaulieu war und als Beichtvater des Herzogs Jean V. diente. Ein noch verbliebener Teil des Basreliefs eines Altaraufsatzes aus dem 15. Jahrhundert ziert eine Wand des Wandelgangs.
Eine gut erhaltene Liegefigur zeigt Alain de Dinan (auch Alain de Vitré), der 1197 starb. Er war Seigneur de Vitré und Seneschall der Bretagne. Die Figur stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der Kreuzgang der Kathedrale Saint-Tugdual zählt zu den schönsten gotischen Kreuzgängen Frankreichs und ist der einzige Kreuzgang einer Kathedrale in der Bretagne.
Der Bischofspalast (Palais épiscopal)
nordwestlich der Kathedrale Saint-Tugdual war bis 1790 die Residenz der Bischöfe von Tréguier. Das heutige Gebäude wurde 1608 erbaut. Im Obergeschoss befindet sich der sogenannte Kapitelsaal mit wunderschönen Holzarbeiten, die Ereignisse aus der Geschichte des Trégor und der Bretagne zeigen.
Das Gebäude besteht aus drei Flügeln, die den Hof nördlich der Kirche umgeben. Das nördliche Gebäude endet mit zwei quadratischen Pavillons. Im Westpavillon befindet sich die große Ehrentreppe. Im ehemaligen Synodensaal "Salle Renan" sind Holzarbeiten aus dem frühen 17. Jahrhundert erhalten.
Vor dem Bischofspalast wurde neben der französischen Flagge ein Kriegerdenkmal zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen errichtet. Das Denkmal trägt den Namen "La Douleur" und veranschaulicht den Schmerz einer bretonischen Frau in einem Trauermantel.
Bischofspalast und Kriegerdenkmal Bischofspalast, Ring Magno Anulo
An der Südfassade des Bischofspalasts befindet sich ein Schornsteinsturz mit der Inschrift "DEV [DEUM] FIDE. SPE AC CHARITATE COLITO (Ehre Gott durch Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe) aus dem Jahr 1574.
Der Bischofspalast wird heute als Rathaus und Bibliothek genutzt. Auf dem Vorplatz des Bischofspalasts steht dieser kunstvolle große Ring mit dem Titel "Magno Anulo".
Märkte in Tréguier
In Tréguier gibt es mehrere Märkte. Jeden Mittwoch findet von 8.30 Uhr bis 13 Uhr auf dem Place des Halles, der Rue Renan und an den Kais der Markt statt. Auf diesem Wochenmarkt werden Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse sowie Kleidung, Schuhe und Haushaltsgegenstände angeboten.
In den Monaten Juli und August erstreckt sich der Markt über den ganzen Tag von 8 Uhr bis 22 Uhr. Er wird durch einen Handwerkermarkt erweitert, der Produkte anbietet, die typisch für die Bretagne sind oder regional hergestellt werden. Märkte und Markttage anderer Orte