Leos Ferienwelt - Bretagne oder Provence

Abtei Abbaye Notre-Dame de Sénanque - Gordes


Die Abtei Abbaye Notre-Dame de Sénanque steht geschützt in der Tiefe eines Tals in der Nähe von Gordes. Das Zisterzienser Kloster der Provence ist mit den Abteien Silvacane und Thoronet eine der so genannten "drei provenzalische Schwestern". Die Abtei Abbaye Notre-Dame de Sénanque wird von Mönchen des Ordens ständig bewohnt. Die Abtei Notre-Dame de Sénanque ist ein historisches Bauwerk (Monument historique) Frankreichs und befindet sich im Département Vaucluse in der Provence.

Das Kloster Notre-Dame de Sénanque wurde 1148 gegründet und wuchs innerhalb kurzer Zeit stark an. Die Blütezeit lag im 13. Jahrhundert. Während der Religionskriege wurde das Kloster 1544 abgebrannt und einige Mönche gehängt. Die Klostergemeinschaft wurde geschwächt und bestand gegen Ende des 17. Jahrhunderts nur noch aus zwei Mönchen.

Der Südflügel des Klosters Notre-Dame de Sénanque wurde trotzdem Anfang des 18. Jahrhunderts wieder hergestellt. Zwischenzeitlich als Staatseigentum verkauft, wurde das Kloster 1854 zeitweilig von bis zu 72 Mönchen genutzt. Nachdem das Kloster in den Jahren 1870 bis 1940 und 1969 bis 1988 geschlossen war, lebten dort 2012 zehn Mönche.

Die Architektur der Abtei wurde in der für die Zisterzienser typischen asketischen Strenge vorgenommen. Das Kloster Notre-Dame de Sénanque ist schmucklos schlicht. Lediglich im Kreuzgang befinden sich 48 Arkadenbögen mit kleinen Säulen, deren Kapitelle verziert sind.

Abtei Abbaye Notre-Dame de Sénanque - Gordes
Rückseite Abtei Abbaye Notre-Dame de Sénanque - Gordes

Links oben seht ihr die Kirche und die alten Gebäude. Der neue Gebäudekomplex (Foto rechts oben) wurde hinzugefügt.

Abteikirche (Église abbatiale)


Die Abteikirche (Église) ist in der Form eines lateinischen Kreuzes gebaut und besitzt ein achtachsiges Gewölbe. Sowohl vom Dormitorium als auch vom Vorplatz gelangt man in die Abteikirche.

Abteikirche Notre-Dame de Sénanque

Das Mittelschiff der Kirche ist 4 m höher, als die
Seitenschiffe. Einfach und schmucklos präsentiert
sich das Langhaus.

Einziger Blickfang ist das mit einem Steinrad
verzierte Kuppelfenster, das so genannte Kuppelauge.
Abteikirche Notre-Dame de Sénanque

Zu beiden Seiten des Chorraums befinden sich zwei Nebenapsiden mit eigenen kleinen Tonnengewölben im romanischen Stil. Das tiefer liegende Langhaus aus dem Jahr 1180 besteht aus einem Mittelschiff mit zwei Seitenschiffen.

Seitenteil Kirchenschiff Abteikirche Notre-Dame de Sénanque
Kirchenschiff Abteikirche Notre-Dame de Sénanque

Schlafsaal (Dormitorium)


Der Schlafsaal der Mönche (Dormitorium) ist fast 30 Meter lang und besitzt ein Spitztonnengewölbe. Das Dormitorium war in Zellen für die einzelnen Mönche unterteilt. Die Zellen existieren nicht mehr, doch die ursprünglichen Umrisse sind auf dem Boden sichtbar. Die Mönche schliefen auf einfachen Strohmatten in diesem unbeheizten Raum.

An der Giebelwand des Schlafsaals befindet sich ein romanisches Fenster mit einem großem Rundfenster darüber. Der Schlafsaal hat eine weitere Tür, hinter der sich vermutlich die frühere Kammer des Abtes befand. Vom Dormitorium führt eine Treppe unmittelbar hinunter in das Querhaus der Abteikirche, sodass die Mönche direkt in die Kirche gehen konnten.

Wärmestube (Calefactorium)


Die Wärmestube (Calefactorium) war neben der Küche der einzige Raum, der an kalten Tagen geheizt wurde. Die Wärmestube besaß zwei Kamine, von denen einer noch existiert. Der Rauchfang wurde in der Mauer am seitlich liegenden Dormitorium (Schlafsaal der Mönche) vorbei geführt, der dadurch von der Restwärme profitierte.

Die Mönche führten im Calefactorium Handarbeiten aus oder machten Schreibarbeiten, so dass die Wärmestube auch als Skriptorium diente. Die Wärmestube wurde später durch eine Wand in zwei Räume unterteilt. Vier Kreuzgratgewölbe werden im Calefactorium von einer Säule in der Mitte des Raumes getragen. Im 19. Jahrhundert wurde das Kapitell restauriert.
Abtei Abbaye Notre-Dame de Sénanque, Kreuzgang - Cloitre, Par Greudin über Wikimedia.org

Kreuzgang (Cloître)


Verlässt man die Abteikirche durch das Portal des westlichen Seitenschiffs, gelangt man in den Kreuzgang (Cloître). Der Kreuzgang war das Zentrum des mittelalterlichen Klosters und diente der Verbindung zwischen den verschiedenen Bauten der Abtei.

Der Kreuzgang diente den Mönchen zur Meditation und Lektüre von Büchern. Neben dem Kirchenportal befand sich das Armarium, eine kleine Wandnische, in dem die Bücher des Klosters aufbewahrt wurden.

Der Kreuzgang (Cloître) hat vier Bögen in jedem Flügel. Die Bögen bestehen aus drei kleinere Arkaden, die durch Doppelsäulen getrennt werden. Die Kapitelle sind mit Pflanzenmotiven verziert.

Das Brunnenhaus sowie der Südflügel des Kreuzgangs wurden 1544 zerstört. Während vom Brunnenhaus nur noch Ansätze des Gewölbes zu sehen sind, wurde der zerstörte Teil des Kreuzgangs im 17. Jahrhundert neu errichtet.

Vom Südflügel sieht man auf den in typisch romanischer Bauweise gebauten Glockenturm der Abteikirche sowie auf die flachen Steine der Dächer, die ohne Dachstuhl direkt aufliegen.

Speisesaal (Refektorium)


Der Speisesaal (Refektorium) stürzte im 18. Jahrhundert ein und wurde im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut. Der Speisesaal befand sich direkt neben der Küche und der Wärmestube. Zur Zeit wird der Speisesaal als Kapelle für die Stundengebete der Mönche benutzt und ist nicht zur Besichtigung frei gegeben.

Versammlungsraum (Kapitelsaal)


Der Versammlungsraum (Kapitelsaal) ist und war der tägliche Treffpunkt der Mönche. Unter dem Vorsitz des Abtes wurde hier jeden Morgen ein Kapitel der Benediktinerregeln vorgelesen. Es folgte die Aufzählung der Tagesheiligen (Martyrologium) und eine Liste der Zisterziensermönche (Nekrolog), die an diesem Tag besonders geehrt wurden.

Im Kapitelsaal klagten die Mönche diejenigen an, die gegen die Ordensregeln verstoßen hatten oder baten ihre Mitbrüder um Vergebung. Außerdem wurde in diesem Raum die Wahl des Abtes, die Verwaltung des Klosterbesitzes und die Aufnahme von Novizen vorgenommen.

Die Steinstufen an den Seitenwänden des Kapitelsaals dienten den Mönchen als Sitze. Der höher gelegene Platz des Abtes befand sich gegenüber des Eingangsportals. Der Kapitelsaal besitzt sechs Kreuzrippengewölbe.

Das Kloster Notre-Dame de Sénanque beherbergt auch Menschen, die die Stille des Klosters im gemeinsamen Gebet und in Besinnung auf Gott teilen möchten (l'Hôtellerie). Die Gäste werden aufgefordert, am Rhythmus der Mönche in dem Maß teilzunehmen, wie sie möchten. Die Mahlzeiten werden schweigend eingenommen.

Sehenswert sind Gordes und die Kragkuppelbauten (runde Steinhäuser, gallische Hütten) im Dorf Village des Bories.

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